Bekannt unter vielen Namen!

Bengt Svens Gård, Fattiggården, Kommungården und jetzt Johnssons Gård – viele Namen hatte unser Hof die letzten 150 Jahre.

Dieser Flecken Erde wurde natürlich von allen Menschen, die hier gelebt haben, geprägt. Nur zu häufig ein hartes Leben, hier in Vare, welches dem Hof die Richtung vorgab und ihn zu dem machte, was er heute ist. Das ist das Erbe, welches wir angetreten haben und oft fliegen die Gedanken zu denjenigen, die sich hier abgemüht und alles gegeben haben, für Familie und Tiere.

Unsere Reise beginnt ca. 1900, als Großbauer Lars Albrektson den Hof an die Gemeinde Träslövs verkaufte. Bis dahin investierte er vieles – vielleicht alles, um den Hof zu entwickeln. Er kaufte zwei Nachbarhöfe, baute große Ställe, eine Windmühle mit angeschlossenem Haus für den Müller und hatte bestimmt ein Bild vor Augen, was er alles erreichen wollte. Leider, war er mit seinen Ideen seiner Zeit voraus und ging in Konkurs nachdem es im Hauptgebäude, was damals vor der heutigen Jugendherberge stand, brannte.

Aber Lars hatte auch glücklichere Tage. Um die Jahrhundertwende wurde das Armengesetz reformiert, wodurch die Gemeinde händeringend nach einem geeigneten Hof suchte, um Altersheim und Armenhaus zu bauen. Lars, der damals im Verwaltungsrat der Gemeinde saß, sah die Möglichkeit zu verkaufen. Damals gab es keine öffentlichen Ausschreibungen. Damals regierte die Vetternwirtschaft…

So wurde der Bengt Svens Gård der Gemeinde Träslövs verkauft und bekam im Jahre 1900 den Namen ”Fattiggården” (Der Armenhof). Das Altersheim wurde neu gebaut und lag im großen Gebäude, welches heute Annas Bed & Kitchen (ehemalige STF Jugendherberge Vare) beherbergt.

Die Zeit verging – die Alten arbeiteten für die Mahlzeiten so lange sie konnten, doch gab es sicherlich auch Knechte, die die schweren Arbeiten ausführten – für Essen und Unterkunft. Viele Aufgaben, bei denen wir heute nur noch zusehen oder komplett anders ausführen, waren hier an der Tagesordnung. Demente und ”Verrückte” wurden damals in Zellen im Keller eingeschlossen, wenn sie unerträglich und laut wurden. Wo heute der Tierfriedhof liegt, lag damals das ”Sozialhaus” – ein großes zweistöckiges Gebäude mit Familien die auf dem Hof für ihren Aufenthalt arbeiteten mussten. Bei einem Rundgang über den Hof, kann man den geschichtlichen Atem förmlich spüren…

In den dreißiger Jahren baute man bei der Mühle, ein Knechthaus, gleich neben dem Haus des Müllers (später leider abgebrannt). Dieses Knechthaus wurde mit den Jahren zum ”Hauptgebäude” des Hofes und war viele Jahre unser Heim. Die Pflege im Altersheim wurde verbessert – mit Sicherheit in einer mehr humanitären Ausrichtung – und 1967, als die Gemeinde Träslövs ein Teil der Stadt Varberg wurde, zogen alle Alten in das neugebaute ”Östergården” im Zentrum um.

Zu der Zeit sah sich die Gemeinde, die noch immer Eigentümer des Hofes war, nach einem neuen Mieter für das große Haus um. STF (Svenska Turistföreningen), welche dem neuen ”Tourismustrend” folgte, bekam den Zuschlag.

Ungefähr hier startet unsere eigene Geschichte. Håkans Eltern kamen als junge Pächter 1954 auf den Hof und zogen in das ehemalige Knechthaus ein. Sie betrieben den Hof zusammen mit Angestellten und später mit den eigenen Söhnen. Die Mutter wurde kurz danach Leiterin der Jugendherberge und hatte diesen Posten bis 2013 inne. Der Hof bekam damals den einfallsreichen Namen ”Kommungården” (Gemeindehof)…

Viele Tiere (Kühe, Stiere, Schweine und deren Nachkommen) mussten versorgt werden. Gleichzeitig wurde Getreideanbau betrieben und für die Verpflegung der Touristen gesorgt. Es war ein Job, den man heute 24/7 nennen würde, nur 365 Tage im Jahr. 1986 verkaufte die Gemeinde den Hof an die Pächter. Der Volksmund nannte den Hof doch weiterhin ”Kommungården”.

Fleiß und Unternehmungsgeist haben die Familie, Verwandtschaft und den Hof geprägt. Als Bauer blieb oft keine Zeit zum Ausruhen – Antriebskraft und Sturheit, das ist das Leben hier. Wie soll man es sonst tun?

Wir haben vieles den Generationen vor uns zu verdanken. Sie haben den Grundstein, für das, was wir nun fortführen, gelegt.

Håkan war der Sohn der auf dem Hof blieb und der in den neunziger Jahren, zusammen mit seinem Bruder, den Betrieb übernahm. Zusammen haben sie, mit neuster Technologie, Melkmaschinen, Stillmaschinen für Kälber und innovative multifunktionale Landwirtschaftsmaschinen, den Hof zu besseren Erträgen verholfen.

Håkan und ich fanden 1984 unsere gemeinsame Bleibe im ”Knechthaus”, nachdem sich die Eltern ein neues Haus in der Nachbarschaft, gebaut hatten. 1996 übernahmen wir den Hof komplett, mit Ausnahme der Jugendherberge. Während unser dreißig Jahre auf dem Hof, erst als fröhliche Jugendliche, später als engagierte und leiderprobte Eltern, war der Hof immer das Zentrum – die Stelle, die für uns der Mittelpunkt der Welt darstellte. Es gab nie den Gedanken wegzuziehen – ein Bauer muss bei seinem Vieh sein. 

Aber nach vielen Jahren harter Arbeit und immer weiter schrumpfenden Einkommen, entschieden sich die Brüder den gemeinsamen Betrieb aufzulösen. Die Tiere verließen nach und nach den Hof und 2012 waren auch die letzten Stiere weg. Eine lange Epoche war zu Ende. Traurig.

Nun sind wir in den mittleren Lebensjahren, wohnen nicht mehr auf dem Hof, die Kinder sind bald alle ausgeflogen und wir beide stellen uns neuen Herausforderungen. Nun kommt Johnssons Gård ins Spiel. Etliche Zufälle haben den Weg für neue Investitionen gezeigt – Arbeit, soziales Netzwerk, Glück und Freude haben zu neuen Möglichkeiten geführt. Anstatt eines alten, ausgedienten Hofes, der verfällt und vergessen wird, legen wir den Grundstein für den Hof um seine Reise durch die Geschichte weiterzuführen. Die Geschichte, die, durch die Zeit, mit sanften Händen und mit vielen Hammerschlägen geschrieben wird.

An der Feder…

Eva-Lena Johnsson